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Naturpädagoge

Der Aussteiger

Wiesensalbei

Einmal anders sein, nicht wie alle, auffallen, herausragen, ungewöhnlich und schön sein. Dieser Wiesensalbei am Naturstandort auf einem Magerrasen hat dies wohl geschafft.

Inmitten seiner violetten Artgenossen steht er da, in einer Farbe die eigentlich nur mit „purple“ zu beschreiben ist.

Eine seltene Rarität, ich habe bisher selbst schon mehrmals Wiesensalbei in weißer Farbe entdeckt, aber diese Farbe ist phantastisch.

Und daneben tausende seiner Art in ihrer violetten Farbe die sich nur in ihrer Intensität etwas unterscheiden. Mal blasser, mal kräftiger im Farbton.

Baumklettern II

18.04.2020
Eine Woche später, die Welt in 25m Höhe hat sich verändert.

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Die Knospen die noch eine Woche zuvor fast zu platzen schienen sind nun aufgebrochen.

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Und hier sehe ich etwas zum ersten Mal. Die Buche blüht.

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Da die Buche erst im Alter von 60-80 Jahren erste Früchte bildet, sind diese Blüten vom Boden aus eigentlich nicht zu sehen.

(Wichtiger Hinweis. Vor Nachahmung wird gewarnt.
Klettern auf Bäumen in dieser Höhe erfordert Kenntnisse
und eine entsprechende Schutzausrüstung.
Diese Klettertour wurde mit professioneller Ausrüstung und zertifizierter Ausbildung als Baumkletterer unternommen.)

Baumklettern

Samstag, 11.04.2020
Nach draußen, aber wohin? Uiiih! Corona!
Überall im Wald sind Familien mit Kindern unterwegs.
Kinder mit Gendefekten. Denen fehlt das Spazieren-Gen.
Wie schön! Und Seltsam!
Wie es einem Virus namens Covid-19 und dem Lagerkoller gelingt,
dass Menschen die Natur neu erleben und entdecken.
Nie zuvor habe ich so viele Menschen in Feld und Wald angetroffen wie in den letzten Wochen.
Ich werde das Treiben heute aus einer ganz anderen Perspektive erleben. Ich werde auf eine Buche mit 30 m Höhe klettern.
Inmitten anderer Bäume überragt sie den Wald.

Noch sind die Bäume unbelaubt und erlauben den Blick nach unten und in die Ferne.

Blick nach unten

Helmpflicht! Ein Ast könnte mir auf den Kopf fallen.

Sicherung muss sein! Raus auf einen Seitenast.

Die Luft wird dünn, beziehungsweise der Ast! Vor mir liegt der graue Hauptstamm der Buche. Ich stehe im Außenastbereich.

Blick über den Wald in 25m Höhe. Eine andere, unbekannte Welt.
Die Vögel sind nun unter mir. Die Spaziergänger auch.
Ich werde auch nicht wahrgenommen. Kein Mensch bemerkt mich.
Ich bin alleine mit den Vögeln und den unglaublichen Eindrücken.

(Wichtiger Hinweis. Vor Nachahmung wird gewarnt.
Klettern auf Bäumen in dieser Höhe erfordert Kenntnisse
und eine entsprechende Schutzausrüstung.
Diese Klettertour wurde mit professioneller Ausrüstung und zertifizierter Ausbildung als Baumkletterer unternommen.)

Kolonisation

Ameisenkolonie
von Simon Berstecher     15.03.2020          15:00

Heute habe ich etwas Unglaubliches erlebt.
Ich durfte Zuschauer bei der Neugründung einer Ameisenkolonie sein.
Tausende von Roten Waldameisen haben einen alten, morschen Baumstumpf erobert.
Vom Fuß des Baumstumpfes an rücken sie in breiten Kolonnen an. Tausend kleiner Lebewesen dicht an dicht.
Ein Teppich von Ameisen überrollt von allen Seiten den Stumpf. Mehrere Schichten von Ameisen übereinander bedeckten sie nach kurzer Zeit das Holz. Wiederholt rollten ganze Ballen von Ameisen aneinandergeklammert als kleine Lawine wieder herunter. Dann fällt ein Tropfen aus Ameisen an einem Überhang zu Boden, zerfällt in einzelne Ameisen die wiederum sofort nach oben streben.
Wieder und wieder. Ein unwirkliches Schauspiel, mit welcher Energie diese kleinen Lebewesen nur ein Ziel verfolgten. Nach oben!
Ich merke es eilt, sie sind ohne den Schutz des Ameisenhügels. Noch sind sie unentdeckt.
Nun werden sie dort einen neuen Ameisenhügel bauen. Wahrscheinlich wird dort in wenigen Tagen über dem morschen Stumpf ein Ameisenhügel aus Fichtennadeln, Blättern und Zweigen errichtet sein.
Ein unglaubliches Schauspiel das die Frage offen lässt, wie diese Menge an kleinen Lebewesen weiß, was der einzelne zu tun hat. Welcher Plan lässt sie wissen lässt, wie der Bau einmal aussehen und funktionieren soll.
Staunend und fast fassungslos sitze ich davor und weiß keine Erklärung für diese ungeheure Energie, diesen Fleiß und diese Zielstrebigkeit, die den Eindruck hinterlässt, dass dies nicht Tausende von Ameisen sondern ein einziger großartiger Organismus mit Intelligenz sein muss.

75m davon entfernt findet sich der alte, nun verlassene Ameisenhügel.

Wahrscheinlich sind die Forstarbeiten die dort durchgeführt wurden nicht der Grund für den Umzug.
Eher erscheint es so, , dass der verlassene Hügel in einer Fichtenschonung steht und durch das Wachstum und den Kronenschluss der Fichten  nicht mehr genügend Licht und Wärme am Waldboden ankommen kann.
Der neue Hügel entsteht an einer deutlich lichteren und wärmeren Stelle.

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